Referent*innen

Autonomes FrauenLesbenreferat Köln

Das Autonome FrauenLesbenreferat Köln ist eine Gruppe interessierter, kritisch denkender Frauen, die Interesse und Lust haben, sich gemeinsam mit feministischen Themen auseinanderzusetzen, politische Arbeit zu machen und Veranstaltungen zu (queer)feministischen Themen zu organisieren

Was hat sex mit sexismus zu tun?

Wie stehen Feministinnen eigentlich zu Sex? Warum nervt die Frage, ob Feminismus sexy sein kann? Was bedeutet „Sex Positive Feminism“ und gibt es dann auch „Sex Negative Feminism“? Was soll überhaupt diese Polarisierung und wem oder was dient sie? Was waren die „Sex Wars“? Was hat der Kapitalismus mit dem ganzen zu tun? War die „Sexuelle Revolution“ wirklich revolutionär? Darf ich als Feministin Pornos gucken?
In diesem Vortrag geht es darum, eine radikalfeministische Perspektive auf Sexualität aufzuzeigen, die sich weder zu „Sex Positive Feminism“ noch zu seinem Gegenstück (Sex Negative Feminism?) bekennen will. Stattdessen werden wir uns angucken, wie und warum diese Polarisierung und mit ihr die 2 konstruierten Strömungen überhaupt entstanden ist und wie das alles dazu dient, das patriarchal-kapitalistische System zu festigen.
Der Vortrag ist auch für Einsteiger*innen geeignet.

zum weiterlesen:
http://frauenreferatkoeln.blogsport.de/theorie/#vonanderen
Eva Illouz: Warum Liebe weh tut: Eine soziologische Erklärung
Laurie Penny FleischmarktWeibliche Körper im Kapitalismus
Susan Brownmiller: Against our Will: Man, Women and Rape
Andrea Dworkin: Pornography. Men possessing Women.
Shulamith Firestone: The dialectics of Sex. („Frauenbefreiung und sexuelle Revolution)
Ariel Levy: Female Chauvinist Pigs. Women and the Rise of Rauch Culture.
Michel Foucault: Sexualität und Wahrheit I, Der Wille zum Wissen.
Herbert Marcuse:
Triebstruktur und Gesellschaft. Ein philosophischer Beitrag zuSigmund Freud.

Julia Bee

Julia Bee (M.A.) ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Medien- und Kulturwissenschaften an der Heinrich-Heine Uni Düsseldorf. Dort lehrt sie unter den thematischen Schwerpunkten Gender Studies, Science Studies und Medienanalyse. Sie ist aktuell am Forschungsprojekt „Die Wiederkehr der Folter? – Interdisziplinäre Studie über eine extreme Form der Gewalt, ihre mediale Darstellung und ihre Ächtung“ beteiligt.

Queering the Human (Film-)Perspective?

Der Workshop „Queering the Human (Film-)Perspective?“ fragt nach Machtkonstellationen zwischen Gender, Begehren und Spezies. Welche Relationen von Gender und nicht-menschlichen anderen – anderen Spezies, Tieren, aber auch Maschinischem als „Companion Spezies“ (Donna Haraway) – lassen sich im Bereich des Films beschreiben? Wir wollen aktuelle Theoriebildungen und filmische Ansätzen in Bezug auf den Umgang mit nichtmenschlichen Akteuren anhand eines Beispiels diskutieren. Inwiefern bedeutet die Herausforderung der menschlichen Perspektive immer auch eine Veränderung in den Geschlechterbeziehungen und Begehrenskonstellationen? Und wie definiert sich umgekehrt Menschlichkeit über spezifische (Gender-/Begehrens-) Normen, die regulieren, was als menschlich gilt? Was geschieht, wenn versucht wird in Filmen eine dezidiert nichtmenschliche, ökologische Perspektive einzunehmen? Die Diskussion soll sich vor allem auf das Screening von „Leviathan“ (Véréna Paravel, Lucien Castaing-Taylor, USA 2012) beziehen.

Jacqueline de Bellevière

Heteronormativität ist ihr Lieblings-Unwort und nicht erst seit gestern. Schon im letzten Jahrhundert begann Jacqueline zwischen Normen zu tanzen. Sie war Drag King, Hetero-Frau, Girlfaq, Lesbe, schwuler Boy und einiges mehr. Ihre polymorph-perverse Identität liegt irgendwo in diesem Kaleidoskop verborgen. Neben dem beruflichen Engagement im Trans*Bereich macht die Sozialarbeiterin einen Master in Gender Studies. Schon während ihres Bachelorstudienganges begann Jaqueline Workshops für Menschen zu geben, die sich in der Rolle des „anderen Geschlechts“ ausprobieren möchten.

Lenus Winkelmann

Warum „Schwule Mädchen“ als Teenager sein* Lieblingslied war, verstand Lenus als er*  selber an einem Drag Workshops teilnahm. Seit 2011 unterstützt er* Jacqueline dabei Drag Workshops zu geben. Im Masterstudium „Empowerment Studies“ spezialisierte sich Lenus auf den Themenbereich Trans* und leitet seit Anfang diesen Jahres eine Trans*Jugendgruppe in dem (schwul-lesbischen) Jugendtreff together in Mülheim an der Ruhr.

Workshop: Drag-King

In diesem Workshop bekommt ihr – von der Gesellschaft als Frauen betitelte Menschen – die Möglichkeit gemeinsam typisch „männliche“ Rollen, Bewegungen und Verhaltensweisen sowie ein männliches Äußeres zu erarbeiten und euch später dort hinein zu fühlen und euch auszuprobieren. Dabei dürft ihr gespannt sein was ihr noch so alles über euch selber erfahren könnt.
Mit den Techniken des Bartklebens, Binding & Co werden wir jedoch auch geschlechtliche Grenzen überschreiten, verwischen und durchqueeren.
In diesem Workshop bekommt ihr die Möglichkeit euren Alten Ego zu entdecken, verborgene Seiten zum Ausdruck zu bringen oder einfach nur spielerisch Neues zu entdecken.
Mitzubringen ist nur etwas „Männerkleidung“. Zum Beispiel Hemden, Hüte, Krawatten.
Zudem wäre es schön wenn ihr euch im Vorfeld schon ein paar Gedanken darüber machen würdet wie ihr gerne als „Mann“ sein wollt…
Alle unklaren Begriffe werden zu Beginn des Workshops gemeinsam geklärt.
Wir freuen uns auf euch!! Jacqueline und Lenus

Bikesexual

Bikesexual ist ein Upcyclingprojekt aus Wien, Österreich. Aus alten Fahrradteilen und verschiedenen schönen Materialien werden Schmuck, Gürtel und sogar Sexspielzeug. Die entstehenden Stücke sind einzigartig, vegan, ökologisch, günstig und queer. Queere Politik soll beim Workshop nicht zu kurz kommen, daher ist es unabdingbar, dass alle Teilnehmenden respektvoll miteinander umgehen!

vegan sextoys workshop made from recycled bicycle parts

Ihr könnt eure eigenen Harnesse, Handschellen und Halsbänder basteln. Alle Schritte werden erklärt. Natürlich könnt ihr auch Schmuck wie Armbänder basteln. Die Grundmaterialien: alte Fahrradteile! Das Basteln ist ganz einfach und macht in der Gruppe Spaß. Ziel ist es, etwas kreatives selber zu kreieren, das günstig, ökologisch und anders ist. Dies soll inspirieren, neue Ideen in euer (Sex-)Leben zu bringen.
An diesem Workshop können alle nur Freude haben, wenn alle respektvoll miteinander umgehen! Respektiert die Wünsche, Ideen und Lebensstile der anderen, diskriminierendes Verhalten wird NICHT geduldet!

Carina

vom Verlag edition assemblage

Revolutionäre Frauen in der Geschichte

Das Buch
Das Queen of the Neighbourhood Collective versorgt die nach revolutionären Stencils hungrigen Straßen mit neuem feministischen Glanz und macht sich über die Che-Effekte in der westlichen Kulturindustrie lustig. In Schrift und Bild portraitiert werden dreißig Aktivistinnen, Anarchistinnen, Feministinnen, Freiheitskämpferinnen und Visionärinnen wie Emma Goldman, Angela Davis, Hannie Schaft, Sylvia Rivera, Mother Jones und viele andere. Das Queen of the Neighbourhood Collective (Aotearoa/Neuseeland), ein Kollektiv aus Schriftstellerinnen, Forscherinnen, Redakteurinnen und Grafikdesignerinnen, sind Tui Gordon, Hoyden, Melissa Steiner, Anna Kelliher, Rachel Bell, Anna-Claire Hunter und Janet McAllister und einige ausgewählte Freundinnen und Mitstreiterinnen.

Buchvorstellung
carina von der edition assemblage liest vor, erzählt aus der Entstehungsgeschichte des Buches „Revolutionäre Frauen“ und diskutiert mit euch über den Sinn und Unsinn von Stencils, Personenkult und dem ganzen Rest. Unterstützung beim Vorlesen durch die Veranstalter*innen oder andere Freiwillige ist erwünscht, aber nicht zwingend notwendig.

Stencilworkshop
Revolutionäre Bastelstunde! Ob T-Shirts, Leinwände oder Schranktüren – bringt mit, was immer ihr verschönern wollt und dann wird gesprüht. Egal, ob ihr alte Street-Art-Hasen seid, oder zum ersten mal eine Spraydose in der Hand haltet, jede*r kann mitmachen. Wir helfen uns gegenseitig und probieren neue Tricks und Techniken aus.

Sabine Fuchs und k kater

Sabine Fuchs ist Kultur- und Literaturwissenschaftlerin und lebt in Hamburg. Sie forscht und publiziert zu queer-trans*-feministischen Theoriebildungen und Praxisformen, Populärkultur und Gegenwartsliteratur. 2009 erschien der von ihr herausgegebene Sammelband „Femme! radikal – queer – feminin“im Querverlag Berlin.
k kater
studiert Literatur- und Theaterwissenschaft in Hamburg. Sie macht queer-feministisches Radio beim FreienSenderKombinat (FSK) und organisiert sie antirassistische, antisemitismuskritische und queer-trans*-feministische Veranstaltungen. Beim Sammelband „Femme! radikal – queer – feminin“ hat sie redaktionell mitgearbeitet.

Lesung: Femme!

Sabine Fuchs und k kater stellen den Sammelband „Femme! radikal – queer – feminin“ vor, lesen aus „Different Shades of Pink“ und diskutieren mit euch über Femmes, Fem-me-inismus und queer/trans*/feministische Femininitäten.
Femme! radikal – queer – feminin stellt ein Thema in den Mittelpunkt, das viel zu lange verkannt wurde und verpönt war. Endlich wird queere Fem(me)ininität als eine komplexe Widerstandsform gegen Geschlechter- und Sexualitätsnormen untersucht. In zahlreichen Aufsätzen, Essays und Interviews setzen sich die Autor_innen mit der Frage auseinander, welche Auswirkungen Femmes auf das Wissen über Geschlechtsidentitäten haben, wenn sie auf ihrem Feminismus, ihrer Queerness und ihrem Begehren bestehen. Als erstes deutschsprachiges Buch verleiht diese Anthologie Femmes eine selbstbewusste, politische Stimme und regt zu weiteren Auseinandersetzungen an: kritisch-analytisch, selbstironisch-provokant und leidenschaftlich-fem(me)inistisch.

Gruppe_F

gruppe_f ist eine queer-feministische Gruppe aus Düsseldorf
(check: facebook/gruppe_f)

„Lebensschützer*innen“, §218 und das Recht auf Selbstbestimmung

„Mit den „Märschen für das Leben“, mit denen die sogenannten ‚Lebensschützer*innen‘ seit einigen Jahren ihre antiemanzipatorische und antifeministische Haltung wieder massiver auf die Straße bringen, war für gruppe_f, einer queer-feministischen Gruppe aus Düsseldorf, klar, dass das Thema „Schwangerschaftsabbruch“ und die Forderung nach Abschaffung des § 218 wieder und immer noch auf der Tagesordnung linker, feministischer, antikapitalistischer Politik stehen.
„Was oder wer sind die ‚Lebensschützer*innen‘?“, „Welche Positionen vertreten sie“, „Wie gehen sie damit an die Öffentlichkeit?“ und „Welche gesellschaftspolitische Bedeutung haben ihre Haltungen im Kontext eines Roll-Back konservativer Geschlechter- und Familien-politischer Zusammenhänge?“ – das waren Fragen, die für die Vorbereitungen von lautstarken und erfolgreichen Aktionen gegen das Auftreten der „Abtreibungsgegner*innen“ wichtig waren.
Klar ist aber auch, dass es in Zeiten, wo Schwangerschaftsabbrüche auch weiterhin nicht legal sind, klare Positionen bezogen und Forderungen gestellt werden müssen. Doch gerade hier zeigt sich, wie heikel es (immer noch) ist, jenseits von Stigmatisierungen, Tabuisierungen und emotionalen und moralischen Aspekten für das Selbstbestimmungsrecht einer und eines jeden zu streiten, wenn es dabei um einen selbstbestimmten Umgang mit Sexualität und das Recht und die Möglichkeit, eine Schwangerschaft nach eigener Entscheidung zu beenden oder fortzusetzen, geht.
Beide Themen, das Auftreten und die Haltungen von sog. ‚Lebensschützer*innen‘ und feminisitische, emanzipatorische Positionen und Argumente für Forderungen zur Abschaffung des §218 und eine selbstbestimmte Sexualität, wird der Workshop zusammenbringen. Wir freuen uns auf kämpferische Diskussionen!“

Anna Heger

Xier packt xiesen Koffer – Pronomen ohne Geschlecht und alternative deutsche Grammatik

Ich denke, dass Sprache nicht wertfrei, sonder ein Spiegel der Verhältnisse ist. Veränderte Verhältnisse brauchen eine veränderte Sprache. Ganz oft werde ich genau dort verändern wollen wo es nicht mehr auszuhalten ist und wo mir etwas fehlt. Pronomen ohne Geschlecht haben mir im Deutschen gefehlt.
Während des Workshops werde ich eine Alternative zu „er“ und „sie“ vorstellen, aber auch darüber reden warum ich grammatikalische Alternativen haben will. Es gibt eine kurze Einführung zur nötigen Grammatik, damit klar wird wie xier, xieser und dier in die herkömmliche Sprache passen. Ich will aber auch mit Euch Pronomen ausprobieren, weitere Möglichkeiten erfinden und Diskutieren. Diskutieren möchte ich über emanzipatorische Sprache, darüber was Ihr Euch persönlich davon erhofft und wie ich anderen das Zuhören und Mitlesen erleichtern kann.

Die erste Version dieser Pronomen ist 2009 entstanden damals zusammen mit Sarah Hill. Die aktuelle Version gibt es unter http://annaheger.wordpress.com/pronomen/

Levi

Intersexualität & Kampagne für einen dritten geschlechtseintrag

Vorstellung der Kampagne für eine dritte Option beim Geschlechtseintrag.
Wir fordern mehr Raum und Sichtbarkeit für Inter*, Trans* und alle anderen die sich nicht als Mann oder Frau identifizieren.
Dieses Recht auf Geschlecht wollen wir auch vor Gericht einklagen.
Warum wir eine dritte Option fordern, wie genau wir die einklagen wollen und womit ihr uns dabei unterstützen könnt – darum geht es bei diesem Vortrag.
Wir freuen uns auf euch!

Gesa Mayer

Gesa Mayer ist Diplom-Soziologin. Sie arbeitet als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Soziologie der Uni Hamburg und promoviert dort zur  Wirkmächtigkeit und Unterwanderung von Mono-Normativität.

Einfach mehrfach lieben? Abgrenzungs- und Berührungspunkte von Mono- und Polyamory

Spannend – aber für mich wäre das ja nichts!“ Kommentare dieser Art bekommen polyamor lebende Menschen laufend zu hören, wenn sie von ihren Beziehungskonzepten und -praktiken erzählen. Die Möglichkeit, offen in nicht nur eine Person zurzeit verliebt zu sein und mit dem Wissen und Einverständnis aller Beteiligten Mehrfachbeziehungen zu führen, ist für viele Menschen so faszinierend wie unvorstellbar. Die meisten halten selbst dann noch am Ideal emotional und sexuell exklusiver Zweierbeziehungen fest, wenn sie in der Praxis schon öfter daran gescheitert sind, dem eigenen Monogamie-Anspruch gerecht zu werden. Was auch daran liegen dürfte, dass dieser ‚eigene‘ Anspruch weder einfach nur persönlichen Entscheidungen und individuellen Vorlieben entspringt noch irgendwie naturgegeben ist, sondern dass er innerhalb eines verzweigten Gefüges gesellschaftlicher Macht- und Wissensformen produziert wird. Die gesellschaftlich geprägte und Gesellschaft prägende Kraft der Monogamie-Norm wird in soziologischen Arbeiten seit einiger Zeit unter dem Schlagwort „Mono-Normativität“ beschrieben.
Was sind eigentlich die Bestandteile und Kennzeichen von Mono-Normativität, die das Modell der monogamen Zweierbeziehung für viele so zwingend und erstrebenswert machen? Inwiefern grenzen sich Menschen, die in offenen und/oder polyamoren Beziehungen leben, von monogamen Beziehungsnormen ab, und welche hetero- und mono-normativen Grundannahmen werden durch Poly-Begehren erschüttert? Gibt es trotzdem bestimmte Elemente der Mono-Normativität, die sich auch in Poly-Beziehungen ‚einschleichen‘, wie wird damit umgegangen – und produziert Polyamory vielleicht unversehens auch eigene Formen der Normativität? Über diese und andere Fragen spricht Gesa Mayer anhand von Beispielen aus ihrer empirischen Forschung.

Cornelia Möser

Differenz- und Gleichheitsfeminismus

Differenz- und Gleichheitsfeminismus sind zentrale Kategorien für das Erzählen der Geschichte feministischen Denkens. Durch eine historisierende Dekonstruktion, welche einer Reihe ausgewählter theoretischer Wanderungsprozesse nachgeht, soll die Entstehung dieses Antagonismus zunächst nachgezeichnet und schließlich kritisiert werden. Dabei werden vor allem die produktiven Aspekte von theoretischen Wanderungen und kulturellen Übersetzungsprozessen eine Rolle spielen. Maßgeblich im Dreieck Frankreich, USA und Deutschland haben sich im Zuge mehrerer zum Teil überkreuzter Rezeptionsprozesse Narrative über feministische Theorie entwickelt, welche die tatsächlichen Antagonismen, Konflikt- und Spannungslinien nicht zu erzählen helfen, sondern stattdessen vielmehr verschleiern. Vor allem die Schriften von Simone de Beauvoir, Luce Irigaray, Monique Wittig, aber auch Judith Butler spielen für diese theoretischen Wanderungs- und Rezeptionsprozesse eine zentrale Rolle. Kontrastiert werden sollen diese Analysen mit der Frage nach der Bedeutung globalisierter Wissensproduktion für mindestens ehemals emanzipatorische Theorie- und Kritikgebäude. Welches sind die heute wirkmächtigen Kriterien, denen sich eine institutionalisierte queerfeministische Forschung unterwerfen muss? Welches könnten alternative Formen emanzipatorischer und kritischer Wissensproduktion sein? Welche Rolle spielt Übersetzung darin?

Simon Sadowski

… ist im Bereich der Sozialen Arbeit tätig. Sein Studienschwerpunkt lag im Bereich der Kunst- und Kulturarbeit. Im Rahmen dessen absolvierte er sein Berufspraktikum beim Theater an der Ruhr in Mülheim. Parallel führte er ein viermonatiges Theater-Projekt zur kritischen Auseinandersetzung mit Männ*lichkeit durch, welches den praktischen Teil seiner Abschlussarbeit „Voll auf Patriarchat!“ bildet.

Workshop: Theater der Unterdrückten im (politischen) Alltag

„Vielleicht ist Theater nicht selbst revolutionär, aber Theater probt
die Revolution.“ (Augusto Boal)
Das Theater der Unterdrückten umfasst eine Reihe von Methoden die Augusto Boal in den 1960er Jahren in Brasilien zu entwickeln begann. Kurz nach der Machtübernahme des Militärs 1964 wurden Boals Methoden als kontrovers und als Bedrohung für das Regime eingestuft. 1971 wurde er verhaftet und ins Exil nach Argentinien verbannt, wo er 1973 zum ersten Mal das Buch ‚Theater der Unterdrückten‘ veröffentlichte.
Boals Methoden verwenden das Theater vor allem als Mittel zur Analyse und Transformation der Realität. Im Alltag unterdrückte oder vernachlässigte, soziale und kommunikative Kompetenzen werden durch spielerische, ästhetische und szenische Begegnungen von Menschen aktiviert bzw. verstärkt. Die Befreiung aus Alltagszwängen, Einsicht in eigenes Handeln, Infragestellung von gesellschaftlichen Unterdrückungs-Spielregeln etc. sind zentrale Zielsetzungen. Im Theater der Unterdrückten wird das Publikum mit einbezogen – bis hin zu seiner Auflösung.
Widerstand gegen Unterdrückung – Breaking Repression
Der Workshop gliedert sich in zwei Teile. Zunächst werden wir uns in einem ausgiebigen Warm-Up mit dem Raum und den anderen Menschen vertraut machen. Im Anschluss werden wir exemplarisch eine Alltagssituation rund um das Thema ‚Gender‘ – die eine teilnehmende Person als unterdrückend erlebt hat – spielerisch analysieren und für die Zukunft neue Handlungsmuster erarbeiten.
Dabei durchbrechen wir das passive Zuschauerdasein im Medium Theater und übertragen dies auf die Alltagssituation. Keine regieführende Person bestimmt die Inhalte  und/ oder den Verlauf der Szenen. Weg vom Objekt, hin zum aktiv handelnden Subjekt.
Je nach Bedarf kann der Workshop in deutscher oder englischer Sprache durchgeführt werden. Ob eine Übersetzung in andere Sprachen möglich sein wird, hängt von den Kapazitäten der teilnehmenden Menschen ab. Auch bei anderen auftauchenden Hindernissen bzgl. der Teilnahme (Gruppengröße etc.) möchte ich versuchen mit den Menschen vor Ort eine Lösung zu finden.

Workshop: Theatre of the Oppressed in every day (political) life

„Maybe theater itself is not revolutionary, but it is rehearsing the
revolution.“ (Augusto Boal)
Theatre of the Oppressed is a set of methods, that Augusto Boal began to develop in the 1960s in Brazil. Shortly after the military coup in 1964 Boal’s methods were considered as controversial and as a threat to the regime. He was arrested and exiled to Argentina in  1971, where he published ‚Theatre of the Oppressed‘ in 1973.
In Boal’s methods theater is mainly used as an instrument for analyzing and transforming reality. The, in everyday life suppressed or neglected social and communication skills, can be activated or enhanced by playful, aesthetic and scenic encounters. Liberation from everyday constraints, insight into ones own actions, questioning of social suppression mechanisms, etc. are key objectives. By Theater of the Oppressed, the audience is involved – up to the point of its dissolution.
Resistance to oppression – Breaking repression
The workshop is arranged into two parts. First, through an extensive warm-up, we will make ourselves comfortable in the room and with the other participants. After that, we will playfully analyze an everyday situation in regard to the theme of ‚gender‘ as an example – which has been experienced as oppressive by one of the participants – and develop
new patterns of behaviour for future actions.
We break with the role of the passive theater spectators and transmit this to the everyday situation. No director determines the content and/ or the progression of the scenes.
This workshop can be conducted in German and/ or English. Translation to other languages are dependent on the capacity and skills of the participants. In case of any other obstacles regarding participation (group size, etc.) I would try to find a solution on the spot with all your support.

Vortrag: Voll auf Patriarchat! – Ein theaterpädagogisches Projekt zur Auseinandersetzung mit Männ*lichkeit

Das Tragische ist, dass das Theater eine zutiefst männliche Veranstaltung ist. Es ist eine unerträgliche Gockelei.“ (Peter Stein, Theater-, Opern- und Filmregisseur)

Im Rahmen meines Bachelor-Studiums „Sozialarbeit/-pädagogik“ kam ich zum ersten Mal mit Theaterpädagogik in Kontakt. Im Gegensatz zu anderen Seminaren, die in erster Linie auf einer sprachlichen Ebene ablaufen, war die Stimmung in diesem eine ganz andere. Die teilnehmenden Personen waren zumeist stets motiviert und der Austausch untereinander fühlte sich viel intensiver an, obwohl mensch kaum miteinander sprach und auch der Anteil an Eigenreflexion war für mich ein viel größerer. Dies lag vor allem daran sich spielerisch in andere Rollen hineinzuversetzen, die fremde Sichtweise wahrzunehmen, eigenes Handeln daran zu reflektieren und ggf. für die Zukunft zu verändern.
Durch das Seminar inspiriert, entstand bei mir die Idee, diesen Ansatz auch für eine Auseinandersetzung mit Männ*lichkeit zu nutzen. In der von mir konzipierten theaterpädagogischen Werkstatt sollten sich die teilnehmenden Männer* im Idealfall spielerisch-kritisch mit ihrer Männ*lichkeit auseinandersetzen, abseits von Lektüre, Diskussionen und Vorträgen. Der Ablauf der Werkstatt sollte möglichst frei von Zwang sein und stattdessen viel Freiraum für Förderung der Kreativität, der Vertrauensbildung und somit Öffnung für die Thematik bieten. Als leitende Person wollte ich mich dabei bewusst im Hintergrund halten und in erster Linie die Werkzeuge bereitstellen – in Form von Übungen, Handlungsansätzen etc. – welche die Teilnehmenden für ihre Auseinandersetzung nutzen können.
Der Vortrag versucht einen Überblick über das so entstandene 16-wöchige Projekt zu geben. Dabei möchte ich mich an den Interessenschwerpunkten der anwesenden Personen orientieren. Leider kann ich den Vortrag aufgrund meiner Sprachkenntnisse nur in deutscher Sprache anbieten. Falls es Personen vor Ort gibt, die für andere Menschen eine Flüsterübersetzung anbieten können, würde mich dies freuen.

High on Patriarchy! – A theater project dealing with masculinity

„The tragedy is that theater is basically a male dominated sphere. It is an unbearable machismo.“ (Peter Stein, theater, opera and film director)

I first came into contact with theater education during my undergraduate socialwork studies. Unlike other seminars, where knowledge is primarily transfered verbally, the atmosphere in this seminar was very different. The participants were very motivated throughout the whole course and the exchange among us felt to be intense, although we hardly spoke to each other. I also noticed that I was able to reflect my own behaviour with the help of these methods. Moreover I was able to get a glimpse into other peoples perspectives by trying out different roles and I understood that such experiences would enable me to transform my own behaviour.
Inspired by this seminar I got the idea to use scenic methods to get men* to reflect about their own masculinity. In this workshop I endeavoured to create an environment which would enable men* to deal with their own gender role in a playful and critical way, without actually discussing the subject.
I wanted the workshop to provide as much freedom as possible for the participating men*, as this would increase creativity, inhance trust and eventually result in an open attitude towards the topic. As the person conducting the workshop, I kept myself at a distance from the group. I saw my main role to be the providing of the “theatrical tools” – e.g. exercises – for the sessions.
This presentation endeavours to give an overview of the 16 week project. During my presentation I’d like to focus on topics that are the most interesting for the people present. Unfortunately I can only hold the presentation in german. I would appreciate it, if people would volunteer to provide parallel translation, if needed

Mithu Sanyal

Mithu Sanyal ist Journalistin, freie Autorin und Kulturwissenschaftlerin aus Düsseldorf. Sie promovierte über die Kulturgeschichte des weiblichen Genitals und wurde ebenfalls durch ihre journalistische Arbeit beim WDR bekannt. Ihre Schwerpunkte sind Feminismus, Postkolonialismus und Popkultur.

Die große Unbenannte – Vulva

„In unserer Kultur wachsen Kinder in dem Glauben auf, dass Jungen ein „hervorragendes Symbol“
(Freud), also einen Penis, haben, während das Genitale von Mädchen „nur eine Abwesenheit liefert“ (Lacan). Das weibliche Geschlecht wird als Loch, als Leerstelle, als Fehlen von etwas beschrieben – was angesichts dieses hochkomplexen Organs schier unglaublich erscheint!“ Mithu Sanyal erzählt in ihrem Vortrag Geschichten aus der Kulturgeschichte der Vulva und stellt die Frage, was anhand des weiblichen Genitals alles verhandelt wurde. Denn die Vulva wurde nicht etwa übersehen, sondern mit gewaltiger Anstrengung zuerst diffamiert und daraufhin verleugnet bis zu der irrigen und irren Auffassung, sie sei nicht der Rede wert.

Marlene Schultz

Gender Justice in der muslimischen Mehrheitsgesellschaft Indonesiens – ein interaktiver Erfahrungsbericht meines Freiwilligendienst bei einer Frauenrechtsorganisation auf Java

Java, ist das nur eine Computersprache? Wer ist eigentlich SBY? Und was ist in seiner Amtszeit in Indonesien in Bezug auf Gender-Gleichheit passiert?
Diese interaktive Veranstaltung soll diese und andere Fragen stellen und einen kurzen Einblick in mehrere spannende Themenfelder geben: in den Lebensalltag des heutigen Javas, die Menschenrechtssituation in Indonesien sowie die Wechselwirkung von Religion und Tradition dort auf die Wahrnehmung von Gender und Genderrollen. Ganz spezieller Fokus liegt bei dieser Veranstaltung auf den Rechten von Frauen. Auch der Bezug auf die Mehrheitsreligion Islam, welche in Indonesien seit Jahrhunderten vorherrscht, soll hergestellt und diskutiert werden.
Die Veranstaltung wird vor allem von meinen eigenen Erfahrungen aus der Arbeit bei LRC-KJHAM (Legal Resource Center for Gender Justice and Human Rights), einer Menschenrechtsorganisation auf der Insel Java, geprägt sein. Dort engagierte ich mich ein knappes Jahr als Freiwillige. Ich arbeitete mit Rechtsanwält*innen und Psycholog*innen zusammen, die marginalisierte Frauen, welche Gewaltererfahrungen erlitten hatten, juristische und psychologische Vetretung und Betreuung bieten, Daten zu geschlechterbezogener Gewalt sammeln, auswerten und veröffentlichen sowie Lobbyarbeit für Frauenrechte leisten.
Wer also etwas zu dem bevölkerungsreichsten vom Islam geprägten Land der Welt und aktuelle Genderdiskussionen dort erfahren will, der sei herzlichst zu dieser together Fest Veranstaltung eingeladen.

Nadia Shehadeh

Soziologin, Bloggerin, Mitglied der Mädchenmannschaft, lebt, arbeitet und schreibt in Bielefeld. Außerdem schreibt sie ihren eigenen Blog Shehadistan.

Vom feministischem zum intersektionalen Bloggen – Bubblemainstreaming

Spätestens mit der weitläufigen Verbreitung von Breitband haben sich unter anderem  auch Blogs als bewährte Gegenöffentlichkeit im Netz etablieren können: Als Publikationsorte jedweder Art von Counter Culture geben sie Raum auch für solche Diskurse, die in der Mehrheitsgesellschaft (noch) nicht unbedingt angekommen sind. Netzfeminismus in Deutschland hat mittlerweile eine – für die kurze Lebensdauer des Internets – fast schon „lange“ Tradition. Seit geraumer Zeit ist zu beobachten, dass der emanzipatorische Anspruch in Teilbereichen der so genannten „feministischen Bubble“ dabei oft nicht mehr nur klassisch feministische Bereiche und Themen anvisiert, sondern insgesamt Mehrfachdiskriminierungen beleuchtet: Der klassische „Nur“-Feminismus wird mittlerweile immer stärker von intersektionalen Diskursen bestimmt.

Jasna Strick

Mitbegründerin der Aktion und des Hashtags #Aufschrei.

#Aufschrei

In der Nacht vom 24. auf den 25. Januar wurde auf Twitter der #Aufschrei geboren. Frauen schrieben in 140 Zeichen über ihre Erlebnisse in Bezug auf Sexismus und sexualisierte Gewalt. Viele schlossen sich an, ohne dass es dafür jemals einen Aufruf gebräucht hätte. Die Debatte schwappte in die klassischen Medien, von dort aus wieder zurück ins Netz und ist bis heute nicht versiegt.
Wie können Frauen im Netz Raum einnehmen und für sich nutzen? Welche Chancen bietet uns der #Aufschrei? Was sind die Ergebnisse? Diese und andere Fragen werden Inhalt des Vortrags von Jasna Strick sein, die Mitinitiatorin des #Aufschrei ist, der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde.

Ein Gedanke zu “Referent*innen

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